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Glaubst Du, dass ein Halbmarathon zur Routine werden kann?


Wieso einen zweiten Bericht zum Hella Halbmarathon?


Ein aufregender zweiter Hella Halbmarathon liegt hinter mir und ich möchte Euch daran teilhaben lassen. Ich hatte mir überlegt, ob es interessant sein könnte, wenn ich den Hella Halbmarathon 2017 mit dem Hella Halbmarathon 2018 vergleiche. Zuerst dachte ich, ach, das ist will doch keiner wissen. Muss ja ähnlich sein, wenn man einen bestimmten Lauf ein zweites Mal absolviert. Dann stellte sich aber schnell heraus, dass es doch einiges zu berichten gibt. Vielleicht hilft es den einen oder anderen von Euch ja auch dabei, sich ebenfalls für eine Wiederholungstat – gleiche Distanz und gleiche Veranstaltung – zu begeistern.


eine etwas andere Vorbereitung


Im letzten Jahr habe ich für den Halbmarathon nach keinem wirklichen Plan trainiert, da ich im Frühjahr bereits einen langen Lauf über die Halbmarathon-Distanz geschafft hatte. Für ein 10-Kilometer-Rennen Anfang April trainierte ich zwar nach einem Plan, aber der Halbmarathon war in diesem Plan kein Thema. Trotz dieser „Vorbereitung“ lief der Hella Halbmarathon 2017 hervorragend. Ihr könnt hier nochmal nachlesen, wie es mir erging.

 

2018 begann ganz anders. Ab Januar startete das Training für den Haspa Marathon. Dieser fand am 29.4.2018 statt. Das ganze Training über war ich damit beschäftigt, Umfänge zu steigern, meine Grundlagenausdauer zu verbessern. Dies gelang mir mit langen und langsamen Läufen. Mehr zu meinem Trainingsplan und auch zum Marathon könnt Ihr in den jeweiligen Blogartikeln dazu nachlesen.  

 

Nach dem Marathon folgte ausreichend Regeneration und eine Woche lang konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht trainieren. So richtig nach Plan ging es für mich ab Ende Mai weiter. Also lediglich einen Monat vor dem Hella Halbmarathon – konnte das überhaupt reichen, um mein gesetztes Ziel zu schaffen?

 

Lange dachte ich darüber gar nicht nach, ich lief einfach. Das was nicht nach Plan lief, war das Hamburger Wetter. Seit Mitte Mai ist hier der Sommer ausgebrochen, was fantastisch ist. Für mein Training hatte das ein paar Auswirkungen. Nicht immer konnte ich das abrufen, was der Plan mir vorgab.


Mitte Juni fand der Sport-Scheck Nachtlauf statt. Zweimal ging es um die Alster. Am Ende schaffte ich die 15 Kilometer in einer ordentlichen Zeit, allerdings konnte ich hier nicht das geplante Halbmarathon-Tempo durchziehen. Eine Woche später folgte dann noch ein 10-Kilometer-Wettkampf, der deutlich besser lief. Eine PB für 2018 kam dabei heraus. So fix war ich auf der Strecke dieses Jahr noch nicht unterwegs. Super. Das hatte ich gebraucht.

 

Der letzte richtig große Motivationsschub für den Hella Halbmarathon kam, als die Medaillenansicht veröffentlicht wurde.

 

Diese wunderbare Stück musste einfach in meine Sammlung. Sie ist eine der hübschesten finde ich. 


das gequake der wetterfrösche


Letztes Jahr fiel mir der Lauf sehr leicht, da das Wetter kühler war. Zudem schien nicht die Sonne. Für mich damals perfekt. Einige Tage vor dem Hella Halbmarathon 2018 war klar, dass es ein sehr warmer Tag werden würde. Der Start war für 10 Uhr morgens angesetzt. Ich würde mit der Mittagssonne im Ziel landen - prima. Schon Wochen vorher gab es regelmäßig Wetter-Mimimi von mir. Darauf hatte ich langsam kein Bock mehr. Egal, dachte ich, laufe einfach so, wie Du es Dir vorgenommen hast. Sollte es zu warm sein, kannst Du auf der Strecke immer noch entscheiden, langsamer zu laufen. Auf meinen Körper hören kann ich ja zum Glück. Das war ein sehr guter Plan. Der Druck, den ich mir vorher wegen dem Wetter wochenlang gemacht hatte, war weg und ich freute mich auf ein tolles Rennen.  


Laufen verbindet!


Bereits 2017 hatte ich viele Leute über Instagram und über den Runnerspoint Run Club kennengelernt. Einige bekannte Gesichter liefen auch 2018 den Halbmarathon mit. Ein paar traf ich, andere nicht, was garantiert überwiegend an meiner Blindheit bei Laufveranstaltungen liegt. Viele Leute in neonfarbener Laufbekleidung? Oh Gott, ich sehe niemanden. Außerdem wird es schwieriger, sich vor einem Rennen mit Leuten zu verabreden, je mehr man kennt. Das muss ich zugeben.

 

Dieses Jahr traf ich mich vor dem Rennen mit lieben und netten Leuten, die das Projekt Runnersheal unterstützen. Was genau dahinter steckt, könnt Ihr auf der verlinkten Seite nachlesen. Aufgeregt wurden viele Fotos geschossen und nach und nach sortierten wir uns alle in die Startblöcke. Zusammen mit meiner Begleitung Hanna schlug ich mich durch die bunte Läufermenge. Hanna hatte mich bereits bei dem Sport Scheck Nachtlauf begleitet. Da das ganz gut passte und wir das gleiche Tempo laufen inklusive dem gleichen Ziel, wollten wir einen zweiten Versuch wagen. Die Aufregung und das Kribbeln waren sofort da. Uhr gecheckt, Gel gecheckt, Schuhe mit Chip? Alles da? Hanna neben mir? Super, es konnte losgehen.



mein rennverlauf


Solltest Du genau wissen wollen, wie es mir 2017 auf der Strecke ergangen ist, dann schau gern in den passenden Blogpost nach. Wie auch im letzten Jahr fiel der Startschuss pünktlich um 10 Uhr auf der Reeperbahn. Die ersten Kilometer geht es stetig ganz leicht bergauf. 2017 liefen wir sogar noch die Steigung der Helgoländer Allee hinauf. Dieses Jahr kürzten wir ab und es ging etwas früher wieder Richtung Landungsbrücken.

 

Hanna und ich liefen von Beginn an in unserem geplanten Tempo. Es fühlte sich richtig gut an und wir konnte einen großen Teil der Anfangsstrecke im Schatten der großen Bäume laufen, was wirklich sehr erleichternd war.

 

Ab Kilometer 5 waren im Abstand von 2,5 Kilometer Verpflegungsstellen mit Wasser aufgebaut – jede davon nahmen wir übrigens mit. Zusätzlich zu den Verpflegungsstellen konnten wir an vier Punkten der Strecke Duschen durchlaufen und wir nahmen auch einen privaten Gartenschlauch in Anspruch, der von einem kleinen Knirps stolz in die Richtung der Läufer gehalten wurde. Das Wasser kam zwar nur hüfthoch an, aber diesen Spaß wollten wir uns nicht nehmen lassen.

 

Zurück zum Rennen. Nachdem wir mit einem herrlichen Blick auf den Hafen belohnt wurden und an den Landungsbrücken vorbeiliefen, kam ein sehr langer Abschnitt ohne Schatten. Außerdem wehte hier kein Lüftchen, was zuvor auch noch der Fall gewesen war. Ich versuchte, meinen Kopf auszuschalten, setzte einen Fuß vor den anderen. Redete immer mal wieder kurz mit Hanna. Kurz gesagt – ich wollte mich selber austricksen und ablenken. Das Tempo konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch halten.

 

Bei Kilometer 10 in etwa durchquerten wir den Wallringtunnel. Diesmal stand hier zum Glück kein Rettungswagen – das war beim Marathon der Fall. Stattdessen gab es Musik vom DJ inklusive dem bereits bekannten Geklatsche. Gänsehaut-Feeling mal wieder. Und die Gewissheit, dass die Hälfte geschafft ist, machte sich in meinem Kopf breit. Perfekt! Nur noch die Hälfte!

 

Aus dem Tunnel ging es allerdings direkt wieder in die pralle Sonne. Ein paar hundert Meter konnte ich unser geplantes Tempo noch halten, doch dann fing mein Schädel an zu dröhnen und pochen. Es zog bis in die Ohren und ich nahm das Tempo raus. Hanna wich mir nicht von der Seite. Fragte immer wieder, wie es mir geht. Auch als ich sagte, dass sie ruhig losziehen kann, blieb sie bei mir. An dieser Stelle ein dickes „Danke“ an Hanna.



Dann folgten die härtesten sechs Kilometer. Das erste, was nicht klappte: ich sah Andreas nicht wie besprochen an Kilometer 11. Die Strecke war so voll mit Läufern und der Streckenrand gesäumt von Zuschauern, dass hier keine Möglichkeit bestand, kurz einen aufmunternden Blick zu erhalten. Das fehlte diesmal tatsächlich. 2017 waren meine Eltern dabei und Freunde von uns standen ebenfalls am Streckenrand. Alle sah ich damals und diesmal musste ich noch etwas warten, bis ich an einem bekannten Gesicht vorbeilief. 

 

Als zweites kam hinzu, dass ich meinen Kopf nicht mehr wirklich frei bekam. Mimimi folgte und ich meckerte über alles. Hanna ertrug es tapfer und wusch mir den Kopf. Wir schaffen das. Es ist immer noch eine gute Zeit und es ist alles in Ordnung. Ok, alles klar, kein Problem. Zieh das jetzt durch! Das betete ich mir immer wieder und wieder vor.

 

In etwa bei Kilometer 14 nahm ich mein Gel – im Gehen allerdings. Ich befürchtete, dass ich es beim Laufen zu aufgeregt runterwürgte. Das war dann auch der langsamste Kilometer des Rennens. Danach berappelte ich mich einigermaßen, konnte aber mein Wunschtempo nicht wieder aufnehmen.

 

Wir liefen also gebremst durch mich weiter. Zähne zusammenbeißen war bei mir angesagt. Und es ging dann tatsächlich irgendwie. Wir liefen von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Bei Kilometer 16 blieben wir kurz an einem „privaten“ Verpflegungsstand von Johannes stehen und tranken einen Schluck Wasser und quatschten kurz. Das tat wirklich sehr gut und weiter ging es.

 

Irgendwo zwischen Kilometer 16 und 18 sprrach mich jemand von der Seite an. Eine Instagram-Bekanntschaft sagt „Hallo“. Beim Marathon haben wir uns noch verpasst, umso mehr ist die Freude, mitten auf der Strecke ein bekanntes virtuelles Gesicht zu sehen. Zeit für eine kurze Umarmung nehmen wir uns und dann laufen wir alle weiter.

 

 

Angekommen bei Kilometer 18 ließ ich Hanna dann ziehen. Mit lockeren Schritten sah ich sie in der Masse verschwinden. Hinter ihr her kam ich nicht mehr. Nur noch drei Kilometer lagen vor mir. Zum Glück traf ich bei Kilometer 19 meine Arbeitskollegin. Extra für den letzten Push hat sie sich an die Strecke gestellt. Ich muss sie kurz drücken, weil ich so dankbar bin. Es ist großartig, dass ein paar liebe Leute fast immer bei großen Wettkämpfen am Rand stehen und mich unterstützen – DANKE! Das ist tatsächlich sehr, sehr lieb von Euch allen.


und plötzlich ist es schon wieder vorbei


Das Ziel! Endlich! Diesmal laufen wir nicht über die Rothenbaumchaussee, sondern wir befinden uns an den Messehallen. Eine letzte Rechtskurve und ich kann den Zielbogen inklusive blauen Teppich sehen. Das alleine macht es mir möglich, mein Tempo für einen Zielspurt anzuziehen. Und schwupps – erledigt! Geschafft! Bei dem warmen Wetter! Genial. Ich freue mich riesig und da Hanna vor mir im Ziel ist, kann sie dieses tolle Zielfoto von mir schießen.



abo als wiederholungstäterin


 

Der gleiche Wettkampf, aber ein völlig anderes Rennen. 2017 war mein Kopf komplett frei. Alles war neu für mich, ich war definitiv lockerer. 2018 hatte ich viel mehr Dinge im Kopf, die mir vor und während des Rennens rumschwirrten. Außerdem habe ich in dem vergangenen Jahr meinen Körper etwas besser kennengelernt und ich weiß, was ich grundsätzlich kann. Fluch und Segen zugleich, oder wie seht Ihr das?

 

Was auf meiner To-Do-Liste steht ist daher, mental an das Rennen anders heranzugehen. Ich habe sogar ein Buch hier liegen – zu Weihnachten habe ich es bekommen. Mentaltraining für Läufer. Das wird definitiv meine nächste Lektüre sein.

 

Tja und was macht man, wenn man zweimal den Hella Halbmarathon gelaufen ist? Richtig! Man meldet sich auch für 2019 an. Denn eine Halbmarathon ist für mich noch lange keine Routine. ;) 

 

Habt es fein, Ihr lieben!