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Leistungsdruck im Hobby-Laufsport - Aber nicht mit DIR!


#laufenverbindet - so nicht


Am vergangenen Sonntag sind viele tolle Hobbyläufer und auch ich den Marathon in Hamburg mitgelaufen. Eigentlich sollte hier zuerst ein Artikel erscheinen über meinen ersten Marathon, aber in den letzten Tagen sind einige Dinge in den sozialen Netzwerken hochgekommen, die mich dazu veranlasst haben, zuerst diesen Artikel zu verfassen.

 

Als Einleitung werfe ich folgende Sätze in den Raum:

  • Während des Marathons: "Wenn sie/er jetzt schon nicht mehr kann, hätte sie/er den Startplatz auch jemand anderen geben können."
  • Im Ziel: "Wie viel schneller willst Du denn den nächsten Marathon laufen?"
  • Vor der Teilnahme: "Du läufst die zehn Kilometer in über eine Stunde? Dann wird das ja schwer mit dem Training für einen Halbmarathon/Marathon."
  • In einem Post zum Marathon: "Ich bin enttäuscht, dass ich Magenkrämpfe/Bauchkrämpfe hatte."
  • Allgemein: "Wer den Kilometer über sechs Minuten läuft, sollte keinen Marathon laufen."

Ich könnte Euch noch einige andere Beispiele nennen, aber ich denke die oben genannten sind anschaulich genug.

 

Wieso gängeln sich Hobbyläufer? Welchen Sinn macht es, nach einem Marathon jemanden sofort zu fragen, wie schnell er das nächste Mal ins Ziel kommen möchte? Mit welcher Begründung ist es denn schwerer, eine längere Distanz zu schaffen, wenn man zehn Kilometer nicht unter einer Stunde schafft? Und wieso um Himmels willen, ist man trotz einem Finish enttäuscht von seinem Körper, weil er etwas rumgezickt hat? 


empathie? was ist denn das?


Ganz ehrlich, wenn ich laufe und jemanden überhole, dem das Atmen schwer fällt oder es sieht nach anderen Problemen aus, dann frage ich, ob ich helfen kann oder was denn los ist. Gibt es Erkrankungen bei der Person? Macht der Person das Wetter zu schaffen? Oder aber sind es andere körperliche Probleme?

 

Tue ich das nicht, sorry, dann darf ich mir kein Urteil erlauben, denn ich weiß nicht, was hinter den Problemen steckt. 


leistungsdruck unter befreundeten läufern


Sich im Zielbereich nicht mit dem Finish von Freunden und Bekannten zufrieden zu geben, sondern gleich zu fragen, wie schnell war es denn nun und wie viel schneller soll denn der nächste Marathon sein, finde ich erschreckend. Schließlich hat die Person soeben einen ganzen Marathon geschafft! Allein DAS ist eine tolle Leistung. 

 

Also freut Euch gemeinsam, genießt Euer Finisher-Bier und macht ein paar tolle Gruppenbilder. 


unbegründetes halbwissen


Zu behaupten, dass die Vorbereitung auf eine längere Distanz schwierig werden könnte, nur weil man für zehn Kilometer länger als eine Stunde benötigt, ist meiner Meinung nach völlig irrsinnig. Die betreffende Person wird natürlich trotzdem eine lange Distanz schaffen, sofern ein vernünftiges Training absolviert wird.

 

In welcher Zeit dies dann gefinished werden kann, ist absolut nebensächlich. Denn: auch hier wird diese Person im Ziel stolz wie Oscar sein und das soll sie auch.


Signale des körpers als schwäche werten


Enttäuscht von seinem Körper zu sein, da eine bestimmte Zielzeit aufgrund eines rebellierenden Magens nicht erreicht werden konnte, ist so was von unnötig. Trotzdem ist der Marathon gefinished worden. Da ist doch die Dixie-Pause echt egal. Wichtig ist, dass gesund das Ziel erreicht wurde und stolz darf man dann selbstverständlich trotzdem auf seinen Körper sein, denn er hat Großartiges geleistet.

 

Vielleicht wurde was falsches gegessen oder es war zu warm. Gerade beim Marathon kann es so viele Einflüsse geben. Ärgert Euch da nicht drüber. Ihr seid heil angekommen! Seid stolz auch Euch und Euren Körper.


einsame veranstaltungen


Die großen Marathons leben von uns Hobbyläufern. Wenn dort nur Läufer antreten würden, die den Kilometer unter sechs Minuten laufen können, wären es sehr einsame und teure Veranstaltungen ;). Zu sagen, dass Läufer keinen Marathon laufen sollten, sofern sie länger als sechs Minuten für den Kilometer brauchen, macht mich sprachlos. Ja, wir brauchen vielleicht länger, aber wir haben uns mit Bedacht auf diese Belastung vorbereitet.

 

Wir sind die Personen, bei denen die Leute am Straßenrand sagen: "Oh, schau mal. Die Mutti kann einen Marathon laufen? Das schaffe ich dann auch. Ich möchte anfangen mit dem Laufsport."


fazit


Natürlich ist es sinnig, sich ein Ziel zu setzen, sonst kann man ja auch nicht vernünftig trainieren. Es ist auch absolut nachvollziehbar, dass man sich verbessern möchte. Vor Läufern, die den Marathon unter vier oder gar unter drei Stunden schaffen, habe ich absoluten Respekt. Das bedeutet so viel harte Arbeit. Aber: jeder arbeitet hart, der sich über mehrere Wochen auf eine längere Distanz vorbereitet. Egal, was für ein Tempo derjenige laufen wird.

 

Was wichtig ist, wir sollten alle vernünftig und respektvoll miteinander umgehen und auch mit unseren eigenen Körper keinen Raubbau veranstalten, nur damit irgendwo eine bestimmte Zahl auf einem Blatt Papier steht. Dann bleibt jeder von uns weiter motiviert und verliert nicht die Lust am Laufsport.

 

Und ganz wichtig: seid stolz darauf, was IHR alle leistet. Auch wenn es mal nicht so läuft. ;) 

 

Was sind Eure Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema? Schreibt es mir gern in die Kommentare. 

 

Habt es fein, Ihr Lieben!