· 

Die Wahrheit über das Marathon-Training


nicht noch ein bericht mit zahlen und fakten


Als ich mir Gedanken zu diesem Blogpost gemacht habe, hatte ich die Wahl. Entweder ich schreibe Euch haarklein auf, wie mein Plan seit dem 08.01.2018 ausgesehen hat. Referiere ausführlich über Pace-Angaben, Puls-Angaben und geschaffte Kilometer. Einblicke in Zahlen, Daten, Fakten. 

 

Öde wäre das gewesen. Es gibt tausende Webseiten, die das schon gemacht haben und mit meinen Zahlen könnt Ihr nicht viel anfangen, da es nun mal meine Zahlen sind. Wir sind alle zu verschieden, als dass Ihr mit meinen Zahlen Euer Training planen könntet.

 

Was kann ich Euch also stattdessen bieten? Einiges und zwar Wahrheiten, über die sonst nicht viele sprechen in der heutigen Instagram-Glitzer-ich-schaffe-alles-Sportwelt. Welche Auswirkungen hat das Marathon-Training auf den Körper und wie viel Freizeit frisst der Trainingsplan? Wie gehe ich mit den plötzlich immer größer werdenden Appetit um und belastet so viel Training die Partnerschaft?

 

Ihr bekommt einen Einblick "hinter die Kulissen" eines Marathon-Trainings. Denn auch diese Dinge sind meiner Meinung nach wichtig, wenn Ihr Euch überlegt, für einen Marathon zu trainieren.


Mutation zur schlafmütze


Das waren noch Zeiten mit Mitte Zwanzig: Freitag und Samstag wurde Party gemacht und Sonntag stand ich fit in der Halle zum Handballspielen. Heute wäre das absolut größenwahnsinnig für mich. :)

 

Das viele Training an der frischen Luft macht mich zur Schlafmütze. Abends bin ich recht früh müde und kaputt. Schlafe ich zwei Tage hintereinander weniger als sieben Stunden oder einfach nicht gut, dann macht das sich sofort beim nächsten Training bemerkbar.

 

Die Kraft fehlt, der Puls ist höher und manchmal lässt sich dann das geplante Tempo nicht halten. 

 

Schlaf und Regeneration sind wichtig und zwar mindestens genauso wichtig, wie eine Laufeinheit. Der Körper braucht etwas Zeit und Ruhe, um sich zu erholen und die solltet Ihr Euren Körper auch geben. 

 

Viel hilft nicht viel - leider. Dadurch könnt Ihr einiges kaputt machen. Ihr seid anfälliger für Verletzungen oder bekommt einen Infekt. Haltet bitte Eure Pausentage ein! Eurer Körper dankt es Euch. 

 

"Never quit your restday!"


gelegenheits-earlybird


In meinem Blogpost mit Tipps zur Überwindung des inneren Schweinehunds hab ich Euch erklärt, dass ich keine Freundin von Earlybirds bin. Sie liegen mir einfach nicht und machen mir keinen Spaß. 

 

Was ich seit Beginn des Marathon-Trainings gemacht habe? Ein paar Earlybirds! Aber wieso? Ganz einfach, ich hatte manchmal keine andere Wahl. 

 

Das Training nimmt viel meiner Freizeit ein. Zum Glück bin ich so schon ein strukturierter Mensch und schreibe alle Termine auf und plane sinnvoll meine Zeit. 

 

So viel Sport auf einmal zu integrieren und zwar an bestimmten Tagen, um die Pausentage auch einhalten zu können, ist eine Herausforderung. 

 

Plötzlich steht da im Kalender der seit einem halben Jahr festgelegte Vorsorgetermin beim Gynäkologen, wo eigentlich ein 16km-Lauf stattfinden soll. Was jetzt? Ein Earlybird am Morgen muss her!  

 

Was soll ich Euch sagen? Ja, es geht auch tatsächlich. Und zwar sogar morgens bei Minus acht Grad. 

 

Nie zuvor bin ich morgens so früh eine so lange Strecke mit einer Pace-Vorgabe gelaufen. Es war anstrengend und richtig ungewohnt für meinen Körper. Statt danach auf die Couch zu gehen, bin ich zur Arbeit gefahren und hab die ersten zwei Stunden wie Falschgeld vor dem Rechner gesessen. Dankbar bin ich abends ins Bett gestiegen. Endlich war dieser Tag vorbei. Ob ich es nochmal tun würde: ganz klar "JA", wenn es nicht anders geht. 


Wo bitte geht´s zum buffet?


Folgenden Spruch habe ich neulich im Internet gelesen: "Ich bin satt. Jetzt bin ich wieder niedlich." Danke. Eins zu eins eine Beschreibung für mich und mein derzeitiges Essverhalten. Durch das Training mutiere ich zu einem Carb-Monster. Nudeln, Brot und Kartoffeln - ich kann sie alle und immer essen. Hinzu kommt der gesteigerte Appetit auf Süßwaren. Klasse.

 

Leider werde ich nicht zu den Menschen gehören, die durch das Marathon-Training sehnig und straff am großen Marathon-Raceday am Start stehen. Ich bin froh, wenn ich an diesem Tag nicht mehr Kilos mit mir rumschleppen muss.  Es ist wirklich kein Scherz und ich glaube auch, dass es noch einige mehr unter uns gibt, denen es genauso geht - hoffentlich, denn zusammen lässt sich der elendige Hunger besser ertragen, oder? Bitte bedenkt, ich bin mit mir zufrieden so wie ich bin. Den Marathon laufe ich nicht, um abzunehmen. 

 

Was kann ich also dagegen tun? Zusammenreißen! Disziplin auch beim Essen. Leider gibts hier kein anderes Rezept und es ist für mich jeden Tag wirklich ein Kampf. So richtig schaff ich es auch (noch) nicht. Mittlerweile habe ich ein paar Kochbücher und versuche, einfach weniger überall zuzugreifen. Hier ist noch Luft nach oben. Tipps nehme ich daher gerne an. 


Ego-Trip - nein, danke!


Fassen wir mal zusammen: durch das viele Marathon-Training bin ich zu einer dauermüden, ewiglich hungrigen und niemals Zeit habenden Ehefrau mutiert, die nur noch einen Blick für ihren Trainingsplan hat und deren größte Sorge es ist, dass noch genügend saubere Sportklamotten im Schrank liegen. 

 

Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber ich würde Lügen, wenn so ein Vorhaben nicht die Partnerschaft belastet. Mir ist klar, dass eine Marathon-Vorbereitung im Vergleich zu anderen sportlichen Aktivitäten lächerlich ist. Dennoch finde ich, dass von beiden Seiten Akzeptanz und Unterstützung da sein muss und ein ganz großes Verständnis. Gerade dann, wenn der Partner oder die Partnerin nicht selber läuft. So ist es nämlich bei mir. 

 

Daher eine Nachricht an alle Nicht-laufenden-Partner: Macht Euch klar, dass dieser krasse Trainingszustand gerade bei uns Hobby-Läufern auch mal ein Ende hat, nämlich dann, wenn der Raceday da ist. Bis dahin sind wir unseren Partnern so dankbar für jede Aufgabe, die sie uns im Haushalt abnehmen. Für jeden Einkauf, den sie alleine tätigen, weil wir irgendwo einen Longrun absolvieren. Für jede Fahrradbegleitung beim Laufen und für jedes gekochte Essen, wenn wir nach dem Training fix und alle auf der Couch liegen. 

 

Wenn wir zufrieden und glücklich ins Ziel einlaufen und Euch als erstes drücken dürfen, ist dieser Moment das Größte für uns. DANKE an Euch alle!


Und was noch?


Zum Schluss noch diese kleinen Informationen für Euch:

  • Training läuft seit dem 08.01.2018
  • vier Einheiten pro Woche (Tempolauf/Intervalle, Regenerationslauf, Dauerlauf und Longrun)
  • Yoga/Stabi - könnte mehr sein
  • alle Einheiten konnten bislang absolviert werden
  • keinerlei Wehwehchen
  • Arnika-Massage-Öl ist mein Geheimtipp für die Muskulatur
  • gute Laune ist immer noch vorhanden
  • die Aufregung steigt
  • um erkältete Personen mache ich einen extra großen Bogen, denn ich habe so einen Respekt davor, jetzt krank zu werden

Ein Dank auch an SmellWell für die tollen Duftsäckchen für meine Laufschuhe (PR-Sample). Das viele Training macht sich bemerkbar durch unangenehme Gerüche in den Schuhen und die Säckchen helfen wunderbar.

 

Eine Nacht in die benutzten Schuhe stecken und schon sind Feuchtigkeit und unangenehmer Geruch am nächsten Morgen vergessen. 


Steckt Ihr auch mitten im Trainingsplan? Was sind Eure Herausforderungen und wie geht Ihr damit um? Lasst es mich wissen und schreibt gern einen Kommentar.

 

Habt es fein, Ihr Lieben und zwischendurch hygge nicht vergessen.