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Stell Dir vor, Dir fällt die Decke auf den Kopf


das Trennungshamsterrad


2008: Da saß ich nun - alleine in meiner neuen Wohnung. Zuvor war ich über neun Jahre nicht allein. Vier davon hatte ich auch nicht allein gewohnt. Allein - was für ein nerviger und belastender Zustand. Mein Tagesablauf bestand aus arbeiten, nach Hause kommen, zweimal die Woche zum Handballtraining gehen und ansonsten, was essen und sich ins Bett zum Fernsehgucken legen.

 

Eigentlich hatte ich auch ein Wohnzimmer, aber das nutzte ich gar nicht. Den Fernseher hatte ich eh gleich ins Schlafzimmer gestellt. Wozu soll ich allein abends in einem Wohnzimmer sitzen. Die totale Frustration - ich war in meinem eigenen Trennungshamsterrad gefangen. 

 

Mir fiel buchstäblich jeden Tag die Decke auf den Kopf. Alleine in der Wohnung sein, war keine Erholung, sondern Stress. Ich war es nicht gewohnt - brauchte einfach Zeit. Was sollte ich tun?

 

Ziemlich aussichtslos, aber es gab eine Lösung und es war einfacher, als gedacht.


nutze die möglichkeiten, die vor dir liegen


Was für ein Glück, dass kurz nach meinem Einzug in die neue Wohnung die Vorbereitung auf die Handballsaison 2008/2009 begann. 

 

Wir trainierten öfter, am Wochenende standen Turniere auf dem Plan und es kam wieder etwas Abwechslung in meinem Alltag.

 

Leider war dies noch nicht so viel, als dass es reichen konnte, um meinen Schwermut irgendwie zu lindern.

 

An irgendeinen Tag packte mich etwas. Ich zog meine Laufschuhe an und lief los zu einem nahegelegenen Park. Wie lange ich unterwegs war? Wie schnell? Ich kann es Euch nicht sagen. 

 

Damals lief ich ohne jeglichen Schnickschnack. Ein Smartphone besaß ich noch nicht und eine Laufuhr schon gar nicht. Es ging mir einfach nur darum, keine Zeit alleine in meiner Wohnung zu verbringen.

 

Das Laufen wurde mehr und mehr an dem Tagen zur Routine für mich, wenn kein Handballtraining auf dem Plan stand.


fröhlich, gelassen und gesund


Recht fix machte sich bemerkbar, was die Lauferei mit sich brachte. Ich wurde lockerer und gelassener. Ich lief mir den Druck, der mir das Allein-Sein machte, förmlich ab. Mit jedem Lauf wurde er weniger. Rückblickend kann ich sagen, dass ich die ganze Trennung während meinen Läufen zigmal durchgegangen bin. Dabei habe ich mir viele Fragen gestellt und viele Fragen auch für mich beantwortet. Ich habe mich sprichwörtlich selber therapiert.

 

Endlich mochte ich meine Wohnung und akzeptierte einfach die Ruhe, die herrschte, wenn ich allein zu Hause war. Die Ruhe war nicht mehr mein Feind für meinen Kopf. Meine Laune stieg und nach und nach rückte die Trennung in den Hintergrund und ich sah wieder nach vorne. 

 

Der Fernseher wanderte im Spätsommer dahin, wo er hingehörte - ins Wohnzimmer. Dort saß ich abends, schaute fern oder las ein Buch. Es kehrte endlich auch Ruhe in mir ein und diese Ruhe hatte ich so vermisst. 

 

Einen weiteren positiven Nebeneffekt brachte die Lauferei noch mit sich - ich war fit wie nie. Am Ende der Vorbereitung lief ich meinen Mannschaftskameradinnen beim Joggen davon. Mehrmals musste ich an irgendwelchen Ecken auf die Mädels warten, weil ich nicht immer die Wege wusste. 


laufen als Therapie für den Kopf


2018: Allein bin ich mittlerweile nicht mehr. Angst vor dem Alleinsein hab auch nicht mehr. Allerdings gibt es in meinem Leben andere Situationen, in denen mir das Laufen ein treuer Helfer geworden ist.

 

Egal, was mich psychisch belastet, das Laufen lindert es. Während des Laufens kann ich am besten Situationen nochmals durchgehen und analysieren.

 

Diese Gespräche mit mir selbst bringen mich auf neue Ideen und Lösungswege. Verkriechen bringt mir nichts. 

 

Laufen ist meine Therapie für meinen Kopf, für meine Psyche. Gerade weil ich diesen Nutzen immer mehr für mich an erster Stelle setze, werden Laufzeiten und Laufkilometer weiter in den Hintergrund rutschen. Diese Daten sind da und ich registriere und poste sie, weil sie für mich dazu gehören. ABER - Ich muss mir und vor allem anderen nichts mehr beweisen. Das hab ich über 20 Jahre beim Handballspielen getan. 

 

Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Laufens bei mir - ich bin weniger bis gar nicht mehr erkältet. Mein Immunsystem ist stärker und ich fühle mich allgemein leistungsfähiger. 

 

Fazit für mich: Beim Laufen geht es mir um mein Wohlbefinden - physisch und psychisch. DAS ist Laufen für mich. Wenn ich das bei einem tollen Wettbewerb mit lieben Leuten zusammen erleben kann, ist es umso besser. 

 

Was bedeutet Laufen für Euch und was ist Eure persönliche Laufgeschichte? Schreibt es mir gern, denn ich bin gespannt, wie Eure Erzählungen dazu aussehen. Und denkt dran - macht es Euch hygge!