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Entspannt laufen - 8 überraschende Punkte und 1 Fazit


Laufen = entspannung


Vor einem halben Jahr hätte ich die folgenden Zeilen gar nicht oder komplett anders geschrieben. Entspannt laufen zu können ist für mich ein nicht endender Prozess. Ich arbeite täglich daran und es gibt auch mal wieder Situationen, in denen ich mich daran erinnern muss, was entspanntes Laufen für mich ist.

 

Mit Entspannung ist hier die psychische Entspannung gemeint. Die Befreiung für den Kopf. Alltagslasten los werden und den Reset-Knopf drücken.

 

In diesem Artikel erkläre ich Euch, was entspanntes Laufen für mich ist. Außerdem möchte ich Euch zeigen, dass ich trotz des bevorstehenden Marathons entspannt laufen kann.


Plan, Zeit und Ziel


1. Ein Plan und das entspannte Laufen 

Ein fester Trainingsplan über mehrere Wochen in Form einer Marathon-Vorbereitung hindert mich nicht daran entspannt zu laufen. Im Gegenteil. Der Plan nimmt mir einiges ab. Er erinnert mich Tag für Tag und Woche für Woche daran, was ich wann und wo absolvieren werde. Ein ständiges Planen jedes einzelnen Trainings, jeden Tag zu überlegen, ob ich nun laufen soll oder nicht - das stresst mich. Dabei geht für mich Zeit verloren, die ich sinnvoll nutzen kann.

 

Ein Plan kann in Ruhe abgearbeitet werden. Ich kreuze jede Einheit ab und freue mich, dass ich dem Ende des Plans einen Schritt näher komme. Für mich nicht stressig, sondern praktisch.

 

2. Die GPS-Uhr und das entspannte Laufen

Meine Uhr ist meine Laufpartnerin. Sie ist meine sichere Begleitung und unterstützt mich positiv. Sie zeichnet auf und analysiert. Ich finde das super. Das war nicht immer so. Oftmals habe ich mich von der Uhr unter Druck gesetzt gefühlt. Ständige Kontrollblicke waren die Folge und manchmal auch Enttäuschung, wenn am Ende eines Laufes nicht die gewünschte Zeit auf der Uhr stand. So läuft es sich definitiv nicht entspannend.

 

Mehrere Wochen habe ich gebraucht, bis mich ein Blick auf die Uhr nicht mehr in solch ein Gefühls-Wirr-Warr gebracht hat. Wieso ist die Zeit oder die Pace denn so wichtig? Geht es wirklich darum? NEIN! Jeder, der läuft, kann sich glücklich schätzen, diesen Sport ausüben zu können. Das eigene Leistungsvermögen sollte nicht durch ein Blick auf die Uhr beurteilt werden. Jeder Lauf ist ein guter, solange er nur gelaufen wird. 

 

Mittlerweile kann ich für mich sagen, dass ich mit der Uhr entspannt laufe. Ich analysiere das Ergebnis nicht mehr, hinterfrage es nicht, sondern registriere es. Passt die Zeit mal nicht zum Plan? Egal. Wenn es ein guter Plan ist, wird dies so gut wie nicht vorkommen.

 

Vielleicht stimmt einfach meine körperliche Verfassung nicht. Zu wenig Schlaf, das falsche Essen und schwupps - es läuft mal nicht wie gewohnt. 

 

Laufzeiten zu posten steht für mich nicht im Konflikt mit dem entspannten Laufen. Auf meinem Instagram-Account seht Ihr des Öfteren ein Bild mit Laufzeiten. Es ist mein Trainingstagebuch. Hier zeige ich Fotos mit den Zeit- und Kilometerangaben. 

 

Spielt Ihr mit den Gedanken, Euch eine Uhr zu kaufen? Benötigt Ihr eine Uhr? Nun ja, diese Frage müsst Ihr Euch selber versuchen zu beantworten. Macht Euch eine Positiv- und Negativ-Liste, sofern Euch die Beantwortung schwer fällt. Fakt ist: nein, eine Uhr ist keine Voraussetzung um Laufen zu gehen. Es geht auch komplett ohne. 

 



 3. Ein Ziel und das entspannte Laufen

Es gibt zig Menschen, die manchmal oder auch regelmäßig laufen gehen. Für sich ganz alleine. Ohne Uhr und ohne Ziel. Einfach, weil es ihnen so gut tut. Das ist super und jeder sollte so laufen, dass es für sie oder ihn richtig ist. Hier gibt es kein richtig oder falsch. 

 

Dann gibt es die andere Sorte von Menschen. Diejenigen, die gern wissen, wie weit sie gelaufen sind. Diejenigen, die sich gern bei einem Wettkampf anmelden, um mit vielen Leuten eine bestimmte Strecke zu schaffen. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch.

 

Ein Ziel zu haben verhindert nicht das entspannte Laufen. Vielmehr sollten wir daran denken, dass ein gesetztes Ziel, je nach unserem unterschiedlichen Können, unterschiedlich erreichbar ist. 

 

Das entspannte Laufen mit einem Ziel ist nicht mehr entspannt, sobald die Vergleichsspirale beginnt: "Wieso läuft der schneller als ich?" - "Die sieht gar nicht so aus, als ob sie schneller als ich bin. Wie macht sie das?" - "Der trainiert ja nur zweimal die Woche und läuft einen Marathon. Wieso mühe ich mich viermal pro Woche ab?" usw.

 

Kommt Ihr in diese Spirale, habt Ihr Euer Ziel nicht mehr vor Augen und schafft es auch nicht, entspannt zu laufen. Lasst die anderen Läufer daher links liegen. Fokussiert Euch auf Euer eigenes Laufen und Können. So kommt der Spaß am Laufen wieder und das Laufen ist entspannend. Und Ihr werdet sehen - Euer Ziel ist erreichbar.


Körpergefühl, Datensammlungen und Laufanfänger


4. Mein Körpergefühl und das entspannte Laufen

Folgender Situation war ich beim Hella Halbmarathon ausgesetzt: Zu Beginn bin ich zügig angelaufen mit dem Wunsch, unter zwei Stunden zu bleiben. Nach kurzer Zeit registrierte ich bereits eine Belastung in den Beinen und einen zu hohen Puls.

 

Zwei Möglichkeiten blieben mir zu diesem Zeitpunkt:

  1. Ich könnte in dem Tempo weiterlaufen in der Hoffnung, überhaupt anzukommen. Inklusive dem Risiko, kurz vor dem Ziel einzubrechen oder komplett schlapp zu machen.
  2. Ich könnte das Tempo etwas drosseln. Die Zeit ist mir komplett egal dabei. So komme ich sicher und gesund ins Ziel und kann die Strecke genießen. 

Noch heute bin ich froh und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich Variante zwei und somit die entspannte Variante genommen habe. Ehrgeiz und Kampf hin oder her. Die eigene Gesundheit ist am Wichtigsten. 

 

Entspannt laufen bedeutet für mich, die eigenen Grenzen im Wettkampf zu kennen und eine vernünftige Entscheidung zu treffen. 

 

5. Die Datensammlungen und entspanntes Laufen

Über die Uhr habe ich bereits weiter oben im Artikel geschrieben. In Zusammenhang mit der Uhr steht die Datensammlung. Viele moderne GPS-Uhren können mit einer dazugehörigen App verbunden werden. Die Läufe und Strecken werden nach Beendigung einer Laufeinheit automatisch übertragen. Fortschritte lassen sich genauso ablesen wie Leistungsabfälle. 

 

Das ist definitiv Fluch und Segen zugleich. Es ist Motivation oder auch Demotivation. Hier einen objektiven Überblick zu behalten ist schwer - auch für mich. Hier sind wir wieder bei dem Punkt, wie ich mit Ergebnissen umgehe. Kleiner Tipp: denkt daran, dass Ihr niemanden mit Euren Läufen beeindrucken müsst. Ihr macht es für Euch, also sind alle Ergebnisse ok. 

 

Seht eine Datensammlung als Spiegelbild Eurer momentanen Lauf-Fähigkeit. Mehr nicht. Wertet es nicht weiter. Schaut lieber nach vorne: War der Lauf nicht wie geplant und die Woche vorher hatte Euch eine Erkältung fest im Griff? Das macht nichts. Löscht ihn auch nicht. Rückblickend wisst Ihr dann, wie Euer Körper darauf reagiert, wenn Ihr nach einer Krankheitsphase wieder zu laufen beginnt. Seht es positiv, denn Ihr habt Euch wieder etwas besser kennengelernt.

 

6. Die Laufanfänger und das entspannte Laufen

Das Internet ist voll von Seiten, auf denen sich Laufanfänger informieren können, wie man vernünftig zu laufen beginnt. Daher werde ich hier nicht das Rad neu erfinden. Einige Tipps für Laufanfänger habe ich aber dennoch parat. Es sind die Tipps, die Euch auch als Anfänger entspannt laufen lassen.

 

Versucht nicht sofort eine bestimmte Strecke durchzulaufen. Wechselt zwischen Laufen und Gehen. Fangt mit einer kurzen Strecke an. Kennt Ihr jemanden, der auch anfangen möchte oder jemanden, der bereits läuft? Perfekt. Fragt diesen lieben Menschen, ob er Euch begleiten möchte und zwar in Eurem Tempo. In der Regel unterstützen sich Läufer immer gegenseitig und es sagt kaum jemand "nein".

 

Wohnt Ihr in einem größeren Ort? Dann googelt ein wenig, denn Ihr werdet sicher eine Laufgruppe finden, der Ihr Euch auch als Laufanfänger anschließen könnt.

 

Und zu guter letzt: habt Geduld mit Euch selber und genießt jeden Lauf. So bleibt Ihr entspannt.


Marathon und andere Wettkämpfe


7. Der Marathon und das entspannte Laufen

Bei einem Marathon läuft man über 42 Kilometer. Der Körper ist Belastungen ausgesetzt, die keineswegs alltäglich sind. Ist das noch entspanntes Laufen?

 

Es kommt darauf an, wo man das Wort "entspannt" in den Satz einbaut. Ich gebe Euch recht, dass es eine grundsätzliche physische Belastung ist. Physisch gesehen ist der Marathon keine Entspannung. 

 

Eine psychische Belastung ist es für mich allerdings nicht. Ich freue mich auf das Training und den Wettkamp. Der Trainingsplan stresst mich nicht, er entspannt mich und ist nach meinem persönlichen Können ausgerichtet.

 

Am 29.04.2018 werde ich mit vielen anderen begeisterten Läuferinnen und Läufern am Start stehen. Die Ziele für diesen besonderen Lauf sind: die Strecke und die Stimmung genießen, mit einem Lächeln und gesund ins Ziel kommen. Die Zeit? Egal! Das ist für mich entspanntes Laufen.

 

8. Wettkämpfe und das entspannte Laufen

Überhaupt setzen mich Wettkämpfe nicht mehr unter Druck. Ich genieße den großen Zusammenhalt, den es unter uns Läufern gibt. Überall trifft man bekannte Gesichter. Macht Fotos zusammen, drückt sich und spricht sich Motivation für den Lauf zu. Na klar freue ich mich, wenn es bei einem Lauf zu einer neuen guten Zeit kommt. Aber es ist nicht das Hauptziel.


und was macht es nun aus?


9. Fazit

Entspanntes Laufen definiert jeder für sich anders. Niemand kann für sich beanspruchen, dass eine bestimmte Art und Weise des Laufens das "richtige" entspannte Laufen darstellt.

 

Für den einen Läufer ist es der gelegentliche Lauf ohne Uhr in der Natur. Einfach mal so, weil man sich etwas bewegen möchte. Ohne ein Zeit- oder Kilometerziel. Hauptsache ist, dass der Kopf danach frei ist und man fühlt sich gut.

 

Für mich ist es mehrmals die Woche ein Training nach Plan, so dass ich mir keine Gedanken mehr über das "Wie" machen muss. Ich trage eine Uhr, zeichne meine Strecken auf. Am Wochenende nehme ich zusammen mit einigen Lauffreunden bei Wettkämpfen teil. Hauptsache ist, dass der Kopf danach frei ist und man sich gut fühlt.

 

Fällt Euch was auf? Richtig, egal, wie Ihr lauft, wenn das Ergebnis stimmt und Ihr zufrieden seid und Euch gut fühlt, dann ist es Euer eigenes entspanntes Laufen.